FRIENDS

Ich habe Bilder übergroß an die Wand geklebt, meine Lieben um mich versammelt. Inmitten meiner geliebten Bilder geht es mir wirklich gut. Schöne Erinnerungen fürwahr. Aber es ist nur Papier und Farbe. Hin und wieder fühle ich mich dann eingesperrt, sehe alles wie durch einen Tunnel beklemmend eng. Und plötzlich bewegt sich der Raum, Linien verformen sich surreal. Dann fühle ich keinen Boden unter den Füßen. Ein dunkler Abgrund tut sich abwärts vor mir auf. Ich vermisse Kumpel und Mitmenschen, sehne mich nach menschlicher Nähe, nach Zuneigung und Umarmung. Und wie alles gekommen, so ist es auch wieder vorbei. Hoffnungsvoll fällt Licht durch den vergitterten Eingang, lässt meine Bilder erstrahlen und ich bin wieder daheim.

SMILE WITHOUT TEARS

Dicke Luft hat etwas Bedrückendes. Soziale Beziehungen drohen zu versanden. Intuitiv legst du die Hände auf deine Schultern, als wolltest du dich schützen. Du verschließt dich traurig, igelst dich ein. Die Maske verdeckt kaum deine trübe Stimmung. Damit bist du nicht allein.

Andernorts herrscht auch dicke Luft. Mancherorts durchbricht aber Lebensfreude das dunkle Band der Bedrohung, nimmt die Maske beiseite und zeigt fröhlich und guter Laune ihr Gesicht. Das macht Mut.

GUARDIAN ANGEL

Schutzengel schützen. Die darstellende Kunst kennt sie schon seit der Renaissance. In Zeiten der Pandemie entwickeln sie allerdings ein neues Gesicht. Sie schützen vor Ansteckung, verbessern die Lebensqualität und psychosoziales Wohlbefinden. Schutzengel sind käuflich für ein paar Euro im Supermarkt und in der Apotheke.

SOLO DANCER IN THE DARK

Er war es doch, der an mir klebte, mein Schatten, ganz nah und unerreichbar fern. Wo ist er hin?

Unaufgefordert hing der Schattenmann gerade noch an mir. Er ließ nicht locker, verfolgte mich auf Schritt und Tritt. Voller Leben äffte er mich nach, imitierte meine Bewegungen ohne Grund und ohne es vergleichbar hinzukriegen.

Als ich vor einer beleuchteten Wand tanze gesellt er sich plötzlich hinzu und tanzt mit mir. Ich hatte ihn vorher nie wirklich bemerkt. Jetzt ist er da, tanzt mit mir, eigenwillig wild und ungezähmt.

Manchmal komme ich ihm sehr nah. Meine Annäherung macht ihn dann scharf. Hand und Finger werden sichtbar, gleichen meinen und suchen die Berührung. Ich gebe nach und lass es zu. Vergeblich die Liebesmüh, schnell ist seine Hand wieder weg, erst fingerlos und dann weg. Ein seltsames Spiel mit Zuwendung und Entzug. Als ich das Licht frei gebe, macht sich mein Tanzpartner dünne im schattenlosen Dunkel.

MASKED BALL

Mitunter ist die Welt ein Maskenball, heute wie früher, in guten wie in bösen Zeiten. Der Beweggrund ist Legion. Allein der Schutzgedanke kennt verschiedene Motive, wie die Maske für dunkle Geschäfte, für geheime Affären und sinnliche Dates oder als medizinische Vorsorge.

“Maskenball” ist ein echter Remix der Motive. Mittels Montage aus Malerei und Fotografie entstand eine konstruierte Begegnung auf der Piazza San Marco. Es ist eine emotionale Begegnung zwischen einer Venezianerin und Modiglianis “Moïse Kisling”. Moïses Gefühle sind zwiespältige, er verbirgt sie unschlüssig hinter einer Maske. Der Ausgang der Begegnung auf der Piazza San Marco scheint fragil ungewiss.

Warum der Kaufmann Moïse Kisling hier zu sehen ist, liegt an der Association zu Modiglianis meist maskenhaft gemalten Portraits. Um die Stimmung der schönen Venezianerin nicht zu verletzen, wurde auf die Darstellung der zu Pestzeiten erfundenen Schnabelmaske verzichtet.

SMILE WITHOUT TEARS

Merete hat schon früh damit begonnen funktionell anders bestimmte Dinge modisch neuartig zu kombinieren. Inspiriert von Karl Lagerfelds steifen Hemdkragen und den hohen Coiffes Bretonnes, sowie den aktuellen Hygienevorschriften wird ihr Kragen zum modischen Hingucker, hält andere Menschen auf Abstand und schützt sie vor gefährlicher Nähe.

LOVE LETTERS

Als soziale Wesen haben wir ein tiefes Verlangen nach menschlichen Kontakten. Kontaktbeschränkungen stören unseren Seelenfrieden erheblich. Telefonie und Email-Verkehr sind  allerdings wohltuende „Friedenstifter“. Doch die Dialektik des Fortschritts macht Grenzen sozialen Verlangens sichtbar. Ein probates Gegenmittel ist das eigenhändige Schreiben. Quälende Gedanken sind nur noch halb so schwer, wenn sie geschrieben sind. Wir kennen das von heimlichen Tagebüchern oder von stimulierenden Liebesbriefen.

SKÅL

Wer trinkt schon gern allein. In der Pandemie fehlt das Klirren der Gläser beim Anstoßen und Zuprosten. Statt Gesellschaft und Romantik ist da eine trennende Wand und ein Foto. Tröstend bleiben positive Effekte des Rausches.