Es liegen Welten zwischen dem, was ist, und dem, was nicht ist. Wir Menschen registrieren diese Welten nur am Rande, wenn unsere Sinne das vertraute Zentrum ihrer Wahrnehmung verlassen und für flüchtige Augenblicke hinausschweifen – um sogleich zurückzukehren auf das sichere Terrain dessen, was wir gewöhnlich für wahr nehmen.

Mit seinen Arbeiten löst Philipp Gegenstände und Erscheinungen des Alltags aus ihrem Kontext, indem er sie konzeptionell durch die Wahl eines wohlkalkulierten Ausschnittes verändert, ihren dinglichen Zusammenhang abstreift und sie von ihrer eigentlichen Funktion entbindet. Auf diese Weise entstehen abstrakte Bilder von ungewöhnlicher, visueller Energie, deren Motive kraft unserer Fantasie mit jeder neuen Betrachtung wiedergeboren werden.

Als Momentaufnahme einer unbeständigen Gegenwart regt jedes der Bilder neben der Fantasie auch den Geist an. Sie alle weisen schon allein in der philosophischen Frage nach dem Leben auf unser beschränktes Verständnis von Zeit hin: Wer sind wir und was bleibt von uns? War das Werden und Vergehen auf unserer Welt nie mehr als ein Spielball von Zufällen, wie dem Stand der Sonne, den Einflüssen von Salzwasser und Küstenstürmen, Ebbe und Flut? Könnten wir diesen Zeitkäfig, in dem wir gefangen sind, verlassen, und Zeitabläufe wie im Zeitraffer erleben, Philipps Figuren und Gesichter würden zum Leben erwachen, sie würden sich bewegen, herumtollen und unsere Vermutung beflügeln: „Wir sind nicht allein!“ /Hendrik Heisterberg